Transfer-Dialog „Handlungsfähigkeit in unsicheren Zeiten“ mit der Senatorin für Wirtschaft, Häfen und Transformation und der DECOIT®

Am 01. September fand in der Union Brauerei Bremen der Transfer-Dialog „Handlungsfähigkeit in unsicheren Zeiten – praktische Lösungen für souveräne Wertschöpfung“ mit KMUs, Startups und verschiedenen Experten statt. Ziel war es, Praxiserfahrungen zu teilen, greifbare Anknüpfungspunkte für den eigenen unternehmerischen Alltag zu finden und wertvolle Kontakte zu knüpfen. Die DECOIT® war mit ihrem Geschäftsführer Prof. Dr. Kai-Oliver Detken vertreten, der als Experte für IT-Sicherheit an seinem Thementisch Rede und Antwort gab.

Abbildung 1: Nettes Ambiente in der Union Brauerei – die ersten Teilnehmer treffen ein
Abbildung 1: Nettes Ambiente in der Union Brauerei – die ersten Teilnehmer treffen ein

Fachkräftemangel, globale Lieferkettenrisiken und digitale Abhängigkeiten stellen Unternehmen heute vor neue Herausforderungen. Um handlungsfähig zu bleiben, braucht es technologische Souveränität – von der Produktion bis zur Unternehmenssteuerung. Doch wie lassen sich digitale Zwillinge, KI „Made in Europe“, sichere Workflows und datengestützte Prozesse konkret in die Wertschöpfungskette integrieren? Und wie stärken sie die Resilienz eures Unternehmens?

Genau hier setzte der Transfer-Dialog an: pragmatisch, praxisnah und mit klarem Mehrwert für die teilnehmenden Unternehmen. Es sollte so von konkreten Use Cases gelernt und sich über Lösungsansätze ausgetauscht werden. Zusätzlich war das Networking ausdrücklich gewünscht, um Kontakte zu anderen Partnern zu bekommen, die einem auf dem eigenen Weg unterstützen können, damit aus Ideen schnell greifbare Ergebnisse werden. In diesem interaktiven Netzwerkformat gab es daher Raum, um über Praxisbeispiele und Hürden zu sprechen sowie sich u.a. über Potenziale entlang der Wertschöpfungskette und die benötigten Kompetenzen auszutauschen. Der Event richtete sich daher an Akteure aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gründung, die sich mit dem Transfer von Innovationen und Technologien in die betriebliche Praxis beschäftigen.

Abbildung 2: Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt spricht über den KI-Standort Bremen
Abbildung 2: Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt spricht über den KI-Standort Bremen

Die Begrüßung der Teilnehmer wurde durch die Wirtschaftssenatorin Kristina Vogt durchgeführt, die Bremen als einen zentralen KI-Standort in Deutschland auswies. Hier hat sich aus ihrer Sicht inzwischen ein Kompetenzzentrum entwickelt, das nicht nur durch das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) eine führende Stellung in Deutschland sich erarbeitet hat. Diese Kompetenz sollte ausgebaut und auf unabhängige Beine gestellt werden. Dabei sollte man sich nicht allzu sehr mit den USA beschäftigen, sondern auf das eigene Wissen vertrauen. China ist bereits längst in der Weltspitze angekommen, was hierzulande immer noch viel zu oft belächelt würde. Es gilt daher Innovation und Tatkraft jetzt zu bündeln und nicht auf die weitere Entwicklung zu warten. Denn gerade die Künstliche Intelligenz (KI) entwickelt sich exponentiell und wird nicht auf uns warten.

In der Key-Note-Präsentation stellte Felix Kronlage-Dammers (OSBA) hingegen die digitale Souveränität vor und wies darauf hin, dass die damit mögliche Unabhängigkeit von Microsoft & Co. als Wettbewerbsvorteil genutzt werden könnte. Felix Kronlage-Dammers leitet das Forum SCS-Standards, welches die Entwicklung der zertifizierbaren Standards des Sovereign Cloud Stack (SCS), ein Open Source Framework für souveräne Cloud-Infrastrukturen, führt. Er ist seit vielen Jahren Mitglied im erweiterten Vorstand der Open Source Business Alliance (OSBA) und treibt dieses Thema an. Der SCS wurde anfangs durch Fördergelder des Bundes gefördert, ist aber nun nach vier Jahren als eigenständiges Projekt finanzierbar. Allein dies sei schon ein Erfolg, wie der Referent betonte. Aber nach wie vor müssen noch viele Unternehmen von einer souveränen Cloud-Lösung überzeugt werden, um sich von Amazon, Google und Microsoft lösen zu können.

Abbildung 3: Felix Kronlage-Dammers erläutert die wichtigsten Souveränitätsmerkmale
Abbildung 3: Felix Kronlage-Dammers erläutert die wichtigsten Souveränitätsmerkmale

Nach den Einführungsvorträgen ging es an die 10 Thementische, die mit unterschiedlichen Schwerpunkten warben. Am Thementisch „IT-Sicherheit: neue Standards mit und durch Künstliche Intelligenz (KI)“, den Prof. Dr. Kai-Oliver Detken von der DECOIT® moderierte, gab es in drei Runden eine sehr gute Beteiligung. Bei der IT-Sicherheit sollte dabei die KI nicht als isolierte Anwendung betrachtet werden, sondern in das bestehende Informationssicherheitsmanagement integriert werden. Wesentliche Bausteine wären:

  • Governance: Festlegen, welche KI-Systeme für welche Zwecke eingesetzt werden dürfen und wer dafür verantwortlich ist.
  • Risikobewertung: KI-spezifische Risiken wie Prompt Injection, Datenabfluss, manipulierte Trainingsdaten, Halluzinationen oder unkontrollierte Agenten berücksichtigen.
  • Daten- und Zugriffsschutz: Vertrauliche Daten klassifizieren und festlegen, welche Informationen an welche KI-Systeme übermittelt werden dürfen.
  • Identitäten und Berechtigungen: Gerade bei KI-Agenten gilt das Prinzip Least Privilege. Ein Agent sollte nur auf die Systeme und Daten zugreifen können, die er tatsächlich benötigt.
  • Nachvollziehbarkeit: KI-Entscheidungen, Prompts, Aktionen und sicherheitsrelevante Ereignisse müssen – soweit sinnvoll und datenschutzrechtlich zulässig – protokolliert werden.
  • Human in the Loop: Kritische Entscheidungen und Aktionen sollten nicht vollständig autonom erfolgen.
  • Kontinuierliche Prüfung: Modelle und KI-Anwendungen müssen regelmäßig auf Schwachstellen, Manipulationsmöglichkeiten und unerwartetes Verhalten getestet werden.

Als Rahmenwerke bieten sich insbesondere ISO/IEC 27001 für Informationssicherheit und ISO/IEC 42001 für KI-Management an. Es wurden aber auch weitere Themen diskutiert. Zum Beispiel sei durch den KI-Einsatz die Hürde für einfache Angriffe gesunken, so dass auch Nicht-Hacker Angriffe aufsetzen könnten. KI kann auch als Abwehrmaßnahme genutzt werden, da man die Anzahl der Events manuell gar nicht mehr überblicken kann. Dabei sollte die KI aber immer wieder manuell kontrolliert und keine Automatisierung eingeführt werden. Sicherheitslücken in KI-erstellter Software wurden ebenfalls angesprochen. Denn Software wird zunehmend durch KI-Mithilfe von Menschen erstellt, die gar keine Programmierer sind. Hier sind Senior-Entwickler gefragt, die den Code überprüfen sollten, bevor er in die Live-Anwendung einfließt. Diese fehlen aber gerade in vielen Projekten.

Allerdings kann man festhalten, dass der Einsatz von KI in der IT-Sicherheit mehr Vor- als Nachteile mit sich bringt, wie der Thementisch festhielt. Das lässt sich an den folgenden Anwendungsbeispielen besonders verdeutlichen:

  1. SIEM/SOC: Ereignisse korrelieren und priorisieren
  2. Threat Intelligence: große Mengen an CTI automatisch analysieren
  3. Anomalie-Erkennung: ungewöhnliches Nutzer-, Geräte- und Netzwerkverhalten erkennen
  4. Vulnerability Management: Schwachstellen nach tatsächlichem Risiko priorisieren
  5. Incident Response: Vorfälle zusammenfassen und Gegenmaßnahmen vorschlagen
  6. Malware/Phishing: verdächtige Inhalte und Verhaltensmuster erkennen
  7. Zero Trust: dynamische Risikobewertung von Zugriffen
  8. Compliance: Konfigurationen und Dokumentationen gegen Vorgaben prüfen
  9. Secure Development: Quellcode auf Schwachstellen untersuchen
  10. Awareness: realistische, individuelle Sicherheitstrainings erzeugen

Die Veranstaltung schloss mit einem positiven Fazit. Das Format wird man Ende April 2027 erneut wieder auflegen, da es sich bewährt hat. Die DECOIT® kann davon unabhängig unsere Kunden auf dem Weg „mehr IT-Sicherheit durch KI-Nutzung“ professionell begleiten – sprechen Sie uns gerne an.

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