Erstes Netzwerktreffen der neuen iVersiD-Kooperation fand mit Verspätung in Berlin statt

Am 08. September fand in Berlin bei der ateneKOM GmbH mit Verspätung das erste Netzwerktreffen zum neuen Kooperationsnetzwerk iVersiD statt. Eigentlich war diese bereits im Mai/Juni geplant gewesen, wurde aber durch die aktuelle Corona-Pandemie auf den September verschoben. iVersiD steht für die intelligente Vernetzung und den sicheren Datentransport und ist ein Netzwerk-Projekt im Rahmen des Zentralen Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM). Als Netzwerkmanager tritt die ateneKOM auf. Die Laufzeit ist zunächst einmal von Mai 2020 bis April 2021 vorgesehen, soll aber in die Verlängerung gehen. Dies hängt von der erfolgreichen Zusammenarbeit der Partner ab, die aus sechzehn verschiedenen Hochschulen und Unternehmen bestehen. Die DECOIT® GmbH ist bei dem Nachfolger von DiSiNet (www.disi-net.de) wieder mit dabei und möchte die bisher erfolgreichen Arbeiten an dem ScanBox-Projekt (www.scanbox-project.de) hier weiter vorantreiben.

Das Thema Datenwachstum ist vor dem Hintergrund von Big Data ein Dauerthema der digitalen Transformation. Im Jahr 2025 werden weltweit rund 163 Zettabyte an Daten generiert werden – das ist das Zehnfache an Daten im Vergleich zum Jahr 2016 (16 Zettabyte). Dabei liegt die jährliche Wachstumsrate aller Daten zwischen 2015 und 2025 bei ca. 30 Prozent. Zudem zeichnet sich eine wichtige Verlagerung bei den Datenquellen ab: Bis 2025 wird ein Großteil der Daten nicht wie bisher von Privatnutzern generiert, sondern von Unternehmen. Dies liegt vor allem an den Möglichkeiten, die durch das Internet der Dinge (IoT) entstanden sind. Es bildet ein riesiges globales Netzwerk, das alle webfähigen Dinge, einschließlich der Menschen, in der Welt verbindet. Vom Kühlschrank über Autos bis hin zum Kosmonauten, der um die Erde kreist, wird unsere virtuelle Welt Milliarden intelligenter Geräte miteinander verbinden und ein Ökosystem schaffen, in dem diese Dinge miteinander interagieren und kommunizieren. Von Statista wird prognostiziert, dass bis 2020 die installierte Basis von IoT-Geräten auf fast 31 Milliarden weltweit wachsen wird. Bis 2025 wird die installierte Basis der IoT-Geräte über 75 Milliarden Geräte betragen. Die enorme Menge an Daten, die von diesen Geräten erzeugt wird, muss in Rechenzentren gespeichert und verarbeitet werden und hat Auswirkungen auf den Datentransport, den Betrieb des Rechenzentrums und die Rechenzentrumsarchitekturen.

Um die Transformation zu einer datengetriebenen Gesellschaft zu unterstützen, hat es sich das Netzwerk iVersiD zur Aufgabe gemacht, Netzwerke und Endgeräte intelligenter miteinander zu verknüpfen, den Transport von Daten sowohl effizienter als auch sicherer zu machen und Optimierungen zu entwickeln, die zu höheren Übertragungsgeschwindigkeiten effizienteren Datentransportlösungen führen. Beim ersten Netzwerktreffen in Berlin ging es daher um die Diskussion möglicher Forschungsanträge und wie man in Zeiten der Pandemie Veranstaltungen oder Projektmeetings mit größerer Teilnehmerzahl überhaupt durchführen kann. Hier sind durch die Gesundheitsämter klare Grenzen gesetzt, die oftmals nur die Nutzung von Videokonferenzen zuließen. Reine virtuelle Konferenzen sind aber nicht mit einem realen Treffen zu vergleichen. Die Aufmerksamkeit der Teilnehmer geht oftmals verloren und man fällt sich öfters ins Wort. Daher hat die ateneKOM GmbH sich ein Konzept überlegt, wie man hybride Veranstaltungen durchführen kann. Also Präsenzveranstaltungen mit gleichzeitiger Videokonferenzmöglichkeit. Künftige iVersiD-Termine könnten so auch effizienter umgesetzt werden.

Im nächsten Vortrag ging es um den Breitbandausbau in Deutschland, an dem es immer noch hapert. Glasfaser wurde zwar von allen Providern im Backbone verlegt, aber immer noch zu weit weg zum Hausanschlusskasten. Auch benötigt das neue 5G-Mobilfunknetz eine Anbindung der Masten mit Glasfaser, bei gleichzeitig höherer Dichte der Funkzellen. Höhere Faseranzahlen auf allen Netzebenen wird von der dibkom GmbH daher gefordert, da ansonsten die Anforderungen an zukünftige Bandbreiten nicht erfüllt werden können. So sollten vier Fasern in jedes Haus/jede Wohnung verlegt werden, was aber leider gesetzlich nicht definiert worden ist. Dies ist zudem auch nur bei Neubauten vorgesehen. Immerhin kann das sehr oft Inhouse verlegte Koaxialkabel weiter genutzt werden, da dies auch für Hochgeschwindigkeiten verwendbar ist. Eine neue Innovation sieht die dibkom in immer kleiner werdenden Routern. So lassen sich Router inzwischen auf die Größe einer Schuko-Dose verkleinern, so dass zukünftig jeder Raum eines Hauses mit Internet ausgestattet werden könnte. Ziel ist es, dass jeder Elektriker in die Lage versetzt werden muss eine Glasfaser verlegen zu können. Nur so könnte man den wachsenden Bedarf erfüllen.

Die Firma Telco Tech GmbH referierte hingegen über zwei andere Themen. Zum einen ging es um den DigitalPakt für die Schulen, der von der Bundesregierung ins Leben gerufen wurde, um die Digitalisierung voranzutreiben. Hier fehlt es aber an Konkretheit und klaren Konzepten. Es kann nicht darum gehen den Schülern iPads in die Hand zu drücken, ohne sinnvolle Inhalte auf den Geräten anzubieten. Die Ausbildung wird daher immer schlechter, was auch durch die Digitalisierung nicht verändert werden wird. Hierüber klagten alle Industrievertreter gleichermaßen auf dem Kick-off-Meeting. Die Politik und die Presse verkauft hingegen den DigitalPakt als großen Erfolg. Das zweite Thema der Telco Tech bezog sich auf eine geplante Kundenveranstaltung, die erste Produktentwicklungen aus dem Netzwerkvorgänger DiSiNet vorstellen soll. Hier können die ScanBox-Appliance und die Nano-Firewall genannt werden, an denen in beiden Fällen die Telco Tech beteiligt war. Beide Entwicklungen wurden erfolgreich abgeschlossen und sollen jetzt in die Vermarktung überführt werden.

Wie man den fehlenden IT-Support in Schulen lösen kann, wurde dann von Andreas Roscher eindrucksvoll gezeigt. Nach seiner Meinung kann man dieses Problem nur lösen, indem ein Rechner immer wieder automatisiert neu aufgesetzt wird, anstatt ständig neue Updates einzuspielen. Dazu muss man lediglich die Boot-Routine eines Rechners ändern, indem man ihm beibringt, beim Neustart erst einmal das Netzwerk zu befragen, ob eine neue Version vorliegt, anstatt auf die interne SSD-Festplatte zuzugreifen. Ein PXE-Boot von einem sicheren Subnetz ohne Internet-Verbindung mit einer zentralen Managementlösung sollte daher der Standard für Schulen sein, könnte aber natürlich auch in Unternehmen zum Einsatz kommen. Der einzige Grund einen Rechner aufsuchen zu müssen sollte daher der sein, dass er hardware-technisch defekt ist. Auch das Verspielen von Rechnern durch Schüler würde somit der Vergangenheit angehören, da sich die Hardware beim nächsten Bootvorgang einfach wieder eine lauffähige Betriebssystem-Version installiert. Leider ist in keiner Ausschreibung von Schulprojekten darauf bisher geachtet worden.

Die DECOIT® GmbH stellte hingegen ihre Ideen zum Nachfolger des ScanBox-Projektes vor. Unter dem Arbeitstitel ScanBox-II wird derzeit eine Strategie für einen neuen Forschungsantrag innerhalb des iVersiD-Projekts diskutiert, da noch einige Lösungen entwickelt werden müssen. So ist die dezentrale Speicherung der Big-Data-Daten noch nicht vorgesehen und die Vorfallbeschreibung sollte noch aussagekräftiger werden. Aktuell werden nur die Schwachstellen der Hersteller erkannt und dargestellt; es sollen aber auch unbekannte Vorfälle zukünftig detailliert beschrieben werden, um daraus klare Handlungsempfehlungen ableiten zu können. Die Kopplung verschiedener ScanBox-Appliances ist ebenfalls vorgesehen, um verschiedene Netzsegmente gleichzeitig untersuchen zu können. Dazu ist es auch notwendig den Netzwerkverkehr von Virtualisierungssystemen angreifen zu können. Es gibt daher viele Ideen, die noch in einem Forschungsantrag zusammengefasst werden müssen, um Unternehmensnetze sicherer machen zu können.

Als weiteres zentrales Thema wurde Building Information Modeling (BIM) von Renato Herrmann vorgestellt. BIM beschreibt eine Methode der vernetzten Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden und anderen Bauwerken mithilfe von Software. Dabei werden alle relevanten Bauwerksdaten digital modelliert, kombiniert und erfasst. Das Bauwerk ist als virtuelles Modell auch geometrisch visualisiert. Man kann daher von einer 3D-Bauplanung sprechen. Das BIM-Modell enthält sieben Dimensionen (u.a. Planzeichnung, Gebäudemodell, Zeit, Kosten, Lebenszyklen, Betriebsdaten) und soll eine bessere Planungssicherheit bieten, damit Projekte nicht aus dem Ruder laufen. Die Deutsche Bahn hat beispielsweise eine eigene BIM-Strategie bei der Verkehrsplanung. Diverse Leitfäden sind geschrieben worden, um BIM einfacher verstehen und umsetzen zu können. Und es sind alle Gewerke mit enthalten, so dass auch die Verkabelung und die Serverräume mit einbezogen werden. Dies war bei einer Gebäudeplanung leider nicht immer der Fall in der Vergangenheit. Anschließend wurde ein Anwendungsfall für BIM gleich aufgegriffen, indem beim geplanten Projekt Augmented Reality für Handwerker/innen und Elektro-Installateur/innen (AuREli) eine App für das Smartphone Bilder von einer Hauswand aufnehmen kann und durch BIM-Daten und AR die darin verbauten Rohre angezeigt werden können. Dies klappt natürlich nur dann, wenn die BIM-Dokumentation entsprechend vorhanden ist.

Abschließend wurde über die geplanten Messeauftritte diskutiert, die über iVersiD mit geplant werden können. Interesse gab es daran von verschiedenen Partnern. Allerdings scheitert aktuell die Planung an der Corona-Pandemie. So ist auch die Sicherheitsmesse it-sa dieses Jahr abgesagt worden, an der die DECOIT® GmbH auch wieder gerne teilgenommen hätte. Man muss daher abwarten, ob sich die Lage wieder bessert und bis dahin hybride Kundenveranstaltungen anbieten, die neben Präsenzvorträgen auch Videokonferenz-Teilnahmen ermöglichen.

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